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Maybebop haben sich bei ihrer Gründung die Schafspelze übergeworfen, um das Feld von hinten aufzurollen. In 120 Konzerten pro Jahr entlarven sie gängige Konventionen und verschieben die Grenzen dessen, was für stimmlich machbar gehalten wird. Rund 100.000 Konzertbesucher jährlich stellen sich jeden Abend die gleiche Frage: Wie bekommen es diese Jungs hin, mit jedem Programm, mit jedem Album aufs Neue, immer wieder zu überraschen?
Maybebop haben sich durch ihre Live-Qualität einen Kultstatus erspielt und müssen niemandem mehr etwas beweisen. Dementsprechend frei präsentieren sie auf ihrem nunmehr 15. Studio-Album "Sistemfeler" eine musikalische und inhaltliche Bandbreite, wie sie andere Bands nicht in Dekaden ihres Schaffens vorweisen können.
Der erste Track, die Pop-Hymne "Mach dich frei", gibt denn auch die Richtung für den Rest des Albums vor: Raus aus den beschränkten Bahnen, Kurs auf Neuland. Wie von der Leine gelassen, steuern Maybebop mit jedem ihrer selbstgeschriebenen Titel neue Welten an. Hört man dem schwarzhumorigen "Weil Du heut Geburtstag hast" und der entwaffnend ehrlichen Familien-Comedy "Verdammt zu lieben" noch das Gesangs-Genre an, vergisst man spätestens beim quirligen Bollywood-Sound von "Versteh das", dass man es bei dieser Produktion ausschließlich mit Stimmen zu tun hat. "Dat du min Leevsten büst" und "Ab und zu ein paar Geigen" rühren zu Tränen, "Bolero" und "Chinesische Medizin" sind herrlich albern, "Platzhalter" und "Marschbefehl" beißende Satire, der Balkan-Pop "Früher gab's die Tagesschau", das Reggae-Kleinod "Auf der Suche" und die absurd berührende "Ode an die Heimat" sind klanggewordener Zeitgeist. Wie immer machen sich Maybebop jeden Stil zu eigen und musizieren völlig beiläufig überragend virtuos.
Und so besitzt der neue Longplayer Mut, Tiefgang und Wahnwitz und ist an genau den richtigen Stellen zum Schreien komisch oder schonungslos ehrlich. Fehler machen die anderen. Maybebop macht "Sistemfeler".