Am selben Tag, dem 27. Februar 1814, erlebten sie ihre Uraufführung, die 7. und die 8. Sinfonie
Ludwig van Beethovens.
Die F-dur-Sinfonie ist eines der muntersten Werke, die Beethoven je geschrieben hat. Allerdings ist
sie voll der Ironie, nachäffender Parodie und Sarkasmus. Gleich die Modulation in der Nebentonart
C-dur geht schief: Stattdessen kommt das "falsche" D-dur, um bald mit einem kleinen Ritardando doch
noch die Kurve nach C-dur zu kriegen - ein Augenzwinkern für den Kenner. Das Stück scheint eine
Reflexion über Normen und Tradition zu sein, voller "Humor" im Jean Paul"schen Sinne.
Und die Siebte? Drei Sätze voller Energie, Übermut, machmal auch Raserei, aber unterbrochen von
einem Trauermarsch. Persönliches könnte die Klage motiviert haben: Der Brief an die "Unsterbliche
Geliebte" vom Juli 1812 spricht vom Glück und Unglück einer großen Liebe.
Mit der Aufnahme der neun Sinfonien Ludwig van Beethovens, gespielt vom Radio-Sinfonieorchester
Stuttgart des SWR, resümiert dessen Chefdirigent Sir Roger Norrington seine langjährige
Auseinandersetzung mit der Musik Beethovens. Es geht Norrington darum, der Musik "zu ihrem Recht zu
verhelfen, indem der ihr eigene Geist bewahrt wird". Norrington und dem Radio-Sinfonieorchester
Stuttgart gelingt dies bravourös durch die Verbindung der historisch informierten Aufführungspraxis
mit den Mitteln eines modernen und flexiblen Sinfonieorchesters.