»Ich darf vielleicht versichern, daß ich beim Lesen verhältnismäßig originell bin«, bekennt Walser zu Beginn seines Prosastücks Lektüre. Bernhard Echte hat in diesem Band erstmals Walsers Betrachtungen zu Schriftstellern und ihren Werken zusammengestellt. Das Spektrum dieser Texte könnte breiter nicht sein: Eindringliche Dichterporträts stehen neben spöttischen Gelegenheitsgedichten, kritisch essayistische Collagen neben anekdotisch pointierten Erzählungen. Groschenhefte dienten Walser ebenso als Ausgangspunkt seiner Betrachtungen wie klassische Werke der Weltliteratur. Während seiner gesamten Schaffenszeit hat Walser solche Texte verfaßt, und so ist ein literaturgeschichtliches Privatkabinett entstanden, das zum Stöbern einlädt, in dem manche Entdeckung gemacht werden kann und in dem nicht zuletzt auch eine kleine Poetik des Lesens wie des Schreibens verborgen liegt.